Gesprächsstoff

Bayer. Rarität: Obern-Dirndl-Gesang seit über 60 Jahren

Chieming-Bernau (hö) – Auf eine wohl in ganz Bayern einmalige Bilanz als Gesangs-Duo können die Schwestern Heidi Kerner aus Chieming und Marianne Wörndl aus Bernau a. Chiemsee zurückblicken. Viel-Hunderte von Veranstaltungen haben sie mit ihrem Zwoagesang gestaltet und verschönert und Tausenden von Menschen haben sie mit ihren Liedern und Jodlern eine Freude gemacht. Vor 15 Jahren feierten sie zusammen mit einem Dank-Abend in der Bernauer Pfarrkirche St. Laurentius ihr 50jähriges Sängerjubiläum mit den Gebrüdern Rehm, doch das war nicht das Ende einer langen Sing-Gemeinschaft.

 

„Wenn wir zusammen sind, dann packt uns das Singen spontan, noch oft haben wir seit unserem Jubiläum bei kirchlichen oder familiären Feiern gesungen, weil uns das Singen einfach so viel Freude macht“ – so Heidi Kerner und ihre Schwester fügt hinzu: „Das Singen wurde uns von unserer Mutter in die Wiege gelegt, sie sang selbst mit ihrer Schwester und sie war trotz der entbehrungsreichen und zeitraubenden Arbeit auf unserem Obernhhof 24 Jahre im örtlichen Kirchenchor“. In ihrem dankbaren Rückblick halten sie zwei weitere Punkte fest: einmal, dass sie mit etwa 12 Jahren ihren ersten öffentlichen Gesangs-Auftritt hatten bei der Primiz von Prof. Dr. Dr. Peter Stockmeier in Hemhof, das zustande kam durch die Tante des Pfarrers, der selbst Bauernbub war und der sich letztlich darüber sehr freute, dass auch damals rarer Dirndl-Gesang seine Primiz-Feier verschönerte. Von da an ging es im wahrsten Sinne bergauf, die Schwestern hatte ihre helle Freude am Singen und an der Freude der Zuhörer, die Eltern waren stolz und finanzierten den ansonsten fleißig am Hof und im Feld mitarbeitenden Töchtern schöne, von einer Stör-Näherin gefertige Dirndlkleider und immer mehr und öfters kamen Veranstalter auf die Obern-Dirndl mit ihren Wünschen zu. Die Auftritte mehrten sich und die Entfernungen wurden immer weiter. „Wir aber blieben uns treu, wir traten nur mit unserer Dirndl-Tracht auf, denn davon waren die Leute genauso begeistert wie von unserem Gesang“ – so Marianne, die einige Jahre beim Chieminger Trachtenverein dabei war, was ihrer Schwester Heidi aber  wegen vielen Hof- und Stallarbeit aber nicht möglich war.

Auftritte von Almen bis zum  Mittelmeer

Zahllose Auftritte im Chiemgau bei Almfesten und Heimatabenden bewirkten die Aufmerksamkeit einflussreicher Persönlichkeiten, so folgten unter anderem ein Auftritt in der Ostseehalle in Kiel („mit 128 Mikrofonen“) und schon bald Schiffs- und Kreuzfahrten ins Mittelmeer und nach Norwegen. „Unvergesslicher Höhepunkt im wahrsten Sinne war eine IBM-Tagung auf 3.454 Metern Höhe in der Schweiz, als wir mit der Zahnradbahn zum Jungfern-Joch auf Europas höchst gelegenen Bahnhof fuhren“ – so ein Beispiel der Reisetätigkeit und Beliebtheit der Obern-Dirndl.  Doch daheim waren sie im Chiemgau, da traten sie bei Jubiläen von Vereinen (unter anderem bei „50 Jahre Waldfeste beim Trachtenverein Atzing“ im Jahr 2012) und zugunsten von kirchlichen Anlässen auf (z. B. für die Wallfahrtskirche Maria Eck oder für den Orgelbauförderverein von Bernau). Dabei ergaben sich immer wieder vielfältige Kontakte und Freundschaften, das eigene 50jährige Gesangs-Jubiläum wurde 2005 in der Bernauer Pfarrkirche „St. Laurentius“ zusammen mit den Gebrüdern Rehm gefeiert. „Als ganz einfache Bauerndirndl kamen wir weit herum und konnten viel erleben, unter anderem als wir einmal eingeladen waren von Dr. Peter Gauweiler zur von ihm vorgetragenen Lesung Heilige Nacht in der Bayerischen Vertretung von Berlin, das bleibt wirklich unvergessen“ – so Heidi Kerner, die ebenso keine Noten lesen kann und anwendet wie ihre Schwester Marianne, diese hat sich zudem das Gitarrenspiel selbst erlernt und sie fügen abschließend hinzu:  „Für fünf bayerische Ministerpräsidenten haben wir gesungen, in München trafen wir mal zusammen mit dem späteren Papst Joseph Ratzinger zusammen und mit dem Bayerischen Rundfunk (BR)  haben wir auch gerne und oft zu tun gehabt“. An den Bayerischen Rundfunk denken Heidi und Marianne auch noch als es einmal darum ging, den Namen zu ändern als sie erinnerten: „Als wir verheiratet waren wollten wir uns Obern-Sängerinnen oder Obern-Zwoagesang nennen, da riet uns der Leiter der Volksmusikabteilung vom BR davon ab und so blieben wir bis heute die Obern-Dirndl“.  Auf die Frage, wann das vor über 60 Jahren begonnene gemeinsame Singen aufgehört hat, gibt es spontan und unisono die Antwort: „Bis jetzt noch nicht, wenn wir beisammen sind, dann singen und jodeln wir, weil es uns Freude macht und es die Stimmen noch mitmachen“ (wovon sich der Berichterstatter erfreut überzeugen konnte).

 

Foto: Hötzelsperger

Marianne und Heidi aktuell

Weitere Infos: Marianne Wörndl, Telefon 08051-7661